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Das Restless-Legs-Syndrom: Warum die Beine nachts keine Ruhe lassen

2026 07 27

Sie sind kurz davor einzuschlafen. Plötzlich beginnt es in den Beinen unangenehm zu kribbeln, zu jucken oder zu ziehen. Sie verändern Ihre Position – für einen Moment wird es besser. Doch schon kurz darauf kehren die Beschwerden zurück. Stunde für Stunde, Nacht für Nacht.

Kommt Ihnen das bekannt vor, sind Sie damit nicht allein. Dabei handelt es sich nicht einfach nur um „müde Beine“ oder Nervosität, sondern möglicherweise um eine medizinisch anerkannte Erkrankung mit klaren Symptomen, möglichen Ursachen und verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist das Restless-Legs-Syndrom?

Das Restless-Legs-Syndrom, kurz RLS, wird medizinisch auch als Willis-Ekbom-Krankheit bezeichnet. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die einen kaum kontrollierbaren Drang auslöst, die Beine zu bewegen.

Dieser Bewegungsdrang wird häufig von unangenehmen Empfindungen begleitet. Betroffene beschreiben unter anderem:

  • Kribbeln,
  • Jucken,
  • Ziehen,
  • Brennen,
  • Schmerzen,
  • elektrische oder stechende Empfindungen,
  • ein Gefühl wie „Ameisenlaufen unter der Haut“.

Typischerweise treten die Beschwerden in Ruhe auf – beispielsweise beim Sitzen oder Liegen. Am Abend und in der Nacht werden sie meist stärker. Bewegung, Dehnen oder Massieren der Beine verschafft häufig vorübergehend Erleichterung. Sobald die Bewegung endet, können die Symptome jedoch zurückkehren.

Gerade diese vorübergehende Besserung durch Bewegung ist ein wichtiges Merkmal, das RLS von vielen anderen Beschwerden der Beine unterscheidet.

Wie häufig ist das Restless-Legs-Syndrom?

RLS tritt deutlich häufiger auf, als viele Menschen vermuten. Schätzungen zufolge sind etwa 5 bis 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung betroffen.

Frauen entwickeln die Erkrankung ungefähr doppelt so häufig wie Männer. Grundsätzlich kann RLS in jedem Alter auftreten, häufiger wird es jedoch bei Menschen im mittleren und höheren Lebensalter festgestellt.

Viele Betroffene haben nur leichte Beschwerden und suchen keine medizinische Hilfe, da sie ihre Symptome für normal halten. Eine mittelstarke oder schwere Form kann jedoch die Schlafqualität und damit auch die allgemeine Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Welche Ursachen kann RLS haben?

Grundsätzlich wird zwischen einer primären und einer sekundären Form unterschieden.

Primäres oder idiopathisches RLS

Bei etwa 40 bis 60 Prozent der Betroffenen lässt sich keine eindeutige medizinische Ursache feststellen. In solchen Fällen spricht man von einem primären oder idiopathischen Restless-Legs-Syndrom.

Dabei spielt die genetische Veranlagung offenbar eine wichtige Rolle. Leidet ein Elternteil unter RLS, kann das Risiko für die Kinder deutlich erhöht sein.

Sekundäres RLS

Bei der sekundären Form tritt das Restless-Legs-Syndrom in Verbindung mit einer anderen Erkrankung, einem Nährstoffmangel oder bestimmten Medikamenten auf.

Eisenmangel

Eisenmangel gehört zu den am besten untersuchten möglichen Ursachen. Selbst bei einem normalen Hämoglobinwert kann ein niedriger Ferritinwert mit RLS-Beschwerden verbunden sein.

Eisen spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei der Bildung und Funktion von Dopamin. Dieser Botenstoff ist an der Steuerung von Bewegungen beteiligt. Ein Eisenmangel kann deshalb die motorischen Prozesse beeinflussen, die für RLS von Bedeutung sind.

Schwangerschaft

RLS tritt besonders häufig im letzten Drittel der Schwangerschaft auf. Mögliche Gründe sind ein erhöhter Eisen- und Folsäurebedarf sowie hormonelle Veränderungen. Bei vielen Frauen verschwinden die Beschwerden nach der Geburt wieder.

Chronische Nierenerkrankungen

Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz, insbesondere Dialysepatienten, leiden überdurchschnittlich häufig unter dem Restless-Legs-Syndrom.

Nervenschädigungen

Auch eine periphere Neuropathie, etwa infolge von Diabetes oder anderen Erkrankungen, kann mit RLS-ähnlichen Beschwerden verbunden sein.

Medikamente

Bestimmte Medikamente können die Symptome auslösen oder verstärken. Dazu gehören unter anderem einige:

  • Antidepressiva,
  • Antihistaminika,
  • Neuroleptika,
  • Medikamente gegen Übelkeit wie Metoclopramid.

Medikamente sollten jedoch niemals eigenständig abgesetzt werden. Bei Verdacht auf einen Zusammenhang sollte die Behandlung mit einem Arzt besprochen werden.

Woran erkennt man RLS?

Die Diagnose basiert hauptsächlich auf den typischen Beschwerden. Vier Merkmale sind dabei besonders wichtig.

1. Unwiderstehlicher Bewegungsdrang

Betroffene verspüren einen starken Drang, die Beine zu bewegen. Dieser kann mit Kribbeln, Ziehen, Brennen, Schmerzen oder anderen schwer zu beschreibenden Empfindungen einhergehen.

Nicht immer stehen Schmerzen im Vordergrund. Bei manchen Menschen ist lediglich ein intensiver Bewegungsdrang vorhanden.

2. Beschwerden treten in Ruhe auf

Die Symptome beginnen oder verstärken sich meist beim Sitzen oder Liegen. Besonders häufig treten sie auf dem Sofa, im Auto, im Kino oder im Bett auf.

3. Bewegung lindert die Beschwerden

Gehen, Dehnen, Massieren oder Bewegen der Beine führt meist zu einer vorübergehenden Besserung.

4. Abends und nachts sind die Symptome stärker

Die Beschwerden sind typischerweise in den Abendstunden und während der Nacht ausgeprägter als am Tag.

Treffen alle vier Merkmale zu, kann dies ein deutlicher Hinweis auf das Restless-Legs-Syndrom sein. Eine sichere Diagnose sollte jedoch durch einen Arzt erfolgen.

Wie beeinflusst RLS den Schlaf?

Das Restless-Legs-Syndrom gehört zu den möglichen Ursachen chronischer Schlafprobleme, über die vergleichsweise wenig gesprochen wird.

Wenn die Beine abends nicht zur Ruhe kommen, kann sich das Einschlafen erheblich verzögern. Manche Betroffene müssen immer wieder aufstehen, umhergehen, die Beine dehnen oder massieren.

Darüber hinaus treten bei vielen Menschen mit RLS sogenannte periodische Beinbewegungen im Schlaf auf. Dabei bewegen oder zucken die Beine in regelmäßigen Abständen unwillkürlich.

Die betroffene Person bemerkt diese Bewegungen häufig nicht. Dennoch können sie kurze, unbewusste Aufwachreaktionen verursachen und den Schlaf immer wieder unterbrechen.

Die möglichen Folgen sind:

  • Müdigkeit am Morgen,
  • ausgeprägte Tagesschläfrigkeit,
  • Konzentrationsprobleme,
  • Reizbarkeit,
  • verringerte Leistungsfähigkeit,
  • chronischer Schlafmangel.

Was kann gegen RLS helfen?

Die passende Behandlung hängt von der Ursache und der Stärke der Beschwerden ab. Bei leichten Symptomen können Veränderungen im Alltag ausreichen. Bei stärkeren oder häufigen Beschwerden kann eine medizinische Behandlung notwendig sein.

Medizinische Behandlungsmöglichkeiten

Eisenmangel ausgleichen

Liegt ein niedriger Ferritinwert vor, können Eisenpräparate die Beschwerden bei manchen Betroffenen deutlich verringern.

Eisen sollte jedoch nicht ohne vorherige Blutuntersuchung und ärztliche Empfehlung eingenommen werden. Zu viel Eisen kann ebenfalls gesundheitliche Risiken verursachen.

Medikamente, die das Dopaminsystem beeinflussen

Medikamente wie Pramipexol, Ropinirol oder Rotigotin können die Symptome lindern. Sie wirken auf das Dopaminsystem im Gehirn.

Bei einer langfristigen Einnahme besteht jedoch das Risiko einer sogenannten Augmentation. Dabei beginnen die Symptome früher am Tag, werden stärker oder breiten sich auf andere Körperbereiche aus.

Gabapentin und Pregabalin

Wirkstoffe wie Gabapentin oder Pregabalin werden insbesondere dann eingesetzt, wenn RLS mit Schmerzen, starken Missempfindungen oder erheblichen Schlafproblemen verbunden ist.

Opioide

In sehr schweren Fällen können unter ärztlicher Kontrolle auch opioidhaltige Medikamente eingesetzt werden. Dies kommt in der Regel nur infrage, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirken.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Regelmäßige Bewegung

Moderate körperliche Aktivität kann die Beschwerden bei manchen Menschen reduzieren. Geeignet sind beispielsweise:

  • Spaziergänge,
  • leichtes Radfahren,
  • Yoga,
  • Dehnübungen,
  • moderates Krafttraining.

Sehr intensives Training, insbesondere spät am Abend, kann die Symptome jedoch bei manchen Betroffenen verstärken.

Wärme und Kälte ausprobieren

Manchen Menschen helfen warme Bäder, Wärmekissen oder Massagen. Andere empfinden kalte Duschen oder Kühlkompressen als angenehmer.

Auch ein Wechsel zwischen Wärme und Kälte kann ausprobiert werden.

Auf eine ruhige Schlafumgebung achten

Ein regelmäßiger Schlafrhythmus und ein dunkles, ruhiges sowie angenehm kühles Schlafzimmer können das Einschlafen erleichtern.

Auch atmungsaktive Bettwäsche kann zu einem ausgeglicheneren Schlafklima beitragen. Materialien wie Perkal oder Tencel fühlen sich häufig kühl und leicht an und können deshalb für Menschen angenehm sein, die nachts schnell überhitzen.

Die Perkal- und Tencel-Bettwäsche von SAVAS Home kann dabei helfen, eine luftige und komfortable Schlafumgebung zu schaffen. Sie ersetzt keine medizinische Behandlung, kann aber den allgemeinen Schlafkomfort unterstützen.

Koffein, Alkohol und Nikotin reduzieren

Koffein, Alkohol und Nikotin können die Symptome bei manchen Menschen verstärken. Besonders am Abend kann es sinnvoll sein, darauf zu verzichten oder den Konsum deutlich einzuschränken.

Geistige Beschäftigung

Interessanterweise berichten manche Betroffene, dass konzentrierte geistige Aktivitäten die Beschwerden kurzfristig abschwächen können.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Lesen,
  • Rätsel,
  • Spiele,
  • Gespräche,
  • kreative Tätigkeiten.

Diese Aktivitäten behandeln die Ursache nicht, können aber zeitweise von den unangenehmen Empfindungen ablenken.

Restless Legs bei Kindern

Auch Kinder können am Restless-Legs-Syndrom leiden. Die Beschwerden werden jedoch nicht immer richtig erkannt und manchmal als Wachstumsschmerzen, Unruhe oder Verhaltensproblem interpretiert.

Betroffene Kinder können Schwierigkeiten haben, ruhig im Bett zu liegen. Sie bewegen ständig die Beine, stehen häufig auf oder beschreiben unangenehme Gefühle, für die sie noch keine passenden Worte finden.

Mögliche Hinweise sind:

  • häufiges Zappeln im Bett,
  • lange Einschlafzeiten,
  • nächtliches Aufstehen,
  • Beschwerden in den Beinen,
  • Müdigkeit und Konzentrationsprobleme am Tag.

Klagt ein Kind regelmäßig über unangenehme Empfindungen in den Beinen und kann nachts nicht zur Ruhe kommen, sollte dies mit einem Kinderarzt besprochen werden.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Eine ärztliche Untersuchung ist empfehlenswert, wenn:

  • die Beschwerden mehrmals pro Woche auftreten,
  • der Schlaf deutlich gestört wird,
  • Sie sich tagsüber ständig erschöpft fühlen,
  • die Symptome zunehmend stärker werden,
  • die Beschwerden bereits am Tag beginnen,
  • ein Kind betroffen ist,
  • die Symptome nach Beginn einer neuen Medikamenteneinnahme auftreten,
  • die Beschwerden auch andere Körperbereiche betreffen.

Der Arzt kann Blutuntersuchungen veranlassen. Dabei können unter anderem Ferritin, Hämoglobin, Vitamin B12, Blutzucker und weitere relevante Werte überprüft werden.

Je nach Situation kann außerdem eine Überweisung zu einem Neurologen oder Schlafmediziner sinnvoll sein.

Zusammenfassung

Das Restless-Legs-Syndrom ist weder eingebildet noch lediglich ein Zeichen von Nervosität. Es handelt sich um eine echte neurologische Erkrankung mit typischen Beschwerden, möglichen körperlichen Ursachen und verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.

Millionen Menschen leiden nachts unter unruhigen Beinen, ohne zu wissen, dass ihre Beschwerden einen Namen haben und behandelt werden können.

Wenn Ihre Beine am Abend regelmäßig nicht zur Ruhe kommen, sollten Sie das Problem nicht ignorieren. Ein Gespräch mit einem Arzt kann helfen, mögliche Ursachen wie Eisenmangel, Medikamente oder andere Erkrankungen zu erkennen.

Manchmal reichen bereits gezielte Veränderungen der Schlafgewohnheiten, mehr moderate Bewegung oder eine angenehmere Schlafumgebung aus. In anderen Fällen ist eine medizinische Behandlung notwendig. Entscheidend ist, die Beschwerden ernst zu nehmen und nach einer passenden Lösung zu suchen.

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